Dienstag, 30. April 2013

[Rezension] "Naokos Lächeln - Nur eine Liebesgeschichte // ノルウェイの森, Noruwei no mori, Norway no Mori" von Haruki Murakami


"Ich war siebenunddreißig Jahre alt und saß in einer
Boeing 747. In ihrem Anflug auf Hamburg tauchte
die riesige Maschine in eine dichte Wolkenschicht
ein. Trüber, kalter Novemberregen hing über
dem Land und ließ die Szenerie wie ein düsteres
flämisches Landschaftsbild erscheinen: die Arbei-
ter in ihren Regenmänteln, die Fahnen auf dem fla-
chen Flughafengebäude, die BMW-Reklametafeln.
Ich war also wieder einmal in Deutschland." S.5

Prolog:

Ein klassisches "Oh ich schlendere mal wieder in den örtlichen Hugendubel und schau mir Bücher an - HUCH, was ist denn das? Sieht interessant aus. Hört sich interessant an. Ok wieso nicht, ich nehme es mal mit" - Buch. Mit der Besonderheit, dass es nicht auf meinem SuB verschimmelt, sondern quasi direkt gelesen wurde und sogar direkt eine Rezension bekommt.

Trivia:

  • Titel: Naokos Lächeln - Nur eine Liebesgeschichte
  • Autor: Haruki Murakami
  • Seiten: 569
  • 1. Auflage, Einmalige Sonderausgabe November 2012
  • btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München


 Klappentext:

Tokio in den späten 60er Jahren: Während sich 
auf der ganzen Welt die Studenten versammeln, 
um das Establishment zu stürzen, gerät auch das
private Leben von Toru Watanabe in Aufruhr.
Mit seiner ersten Liebe Naoko verbindet ihn eine
innige Seelenverwandtschaft, doch ihre Bezie-
hung ist belastet durch den tragischen Selbst-
mord ihres gemeinsamen Freundes Kizuki. Als
die temperamentvolle Midori in sein Leben tritt,
die all das ist, was Naoko nicht sein kann, muss 
Watanabe sich zwischen Vergangenheit und
Zukunft entscheiden ...

Rezension:

"Naokos Lächeln - Nur eine Liebesgeschichte" (japanisch ノルウェイの森, Noruwei no mori, Norway no Mori) ist ein von Haruki Murakami verfasster Roman, welcher in Japan bereits 1987 veröffentlicht und weltweit 11 Millionen Mal verkauft wurde. Verfasserin der deutschen Übersetzung war Ursula Gräfe. Der Autor Haruki Murakami, geboren in Kyoto am 12. Januar 1949, ist bekannt und gefeiert für seine zahlreichen Romane und Erzählungen (IQ84 ist der aktuellste in Deutschland) . So ist er nicht nur Inhaber zahlreicher japanischer Literaturpreise, sondern auch des renomierten Franz-Kafka-Preises, welcher ihm 2006 verliehen wurde. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war Murakami als Übersetzer von amerikanischer Literatur ins japanische aktiv und hat beispielsweise Werke von John Irving, Raymond Chandler uvm. übersetzt. Aktuell lebt Murakami seit 2001 in Ōiso. Das Cover des Buches "Naokos Lächeln" zeigt Billiardkugeln, einige davon in Bewegung, was einerseits auf einen Moment im Buch, andererseits aber auch auf die Beziehungen des Protagonisten anspielen könnte.
Der Plot von "Naokos Lächeln" ist in 12 Kapitel unterteilt. Protagonist und Erzähler der Handlung ist der 37-jährige Toru Watanabe, der sich in einem Flugzeug während der Landung in Hamburg befindet. Da auf einmal aus den Lautsprechern im Flugzeug der Beatles-Song "Norwegian Wood" ertönt, erinnert sich Watanabe mit einem Schlag an seine Studentenzeit Ende der 60er Jahre. Mehr an seine Liebesbeziehungen als an die Studentenproteste, die ihn herzlich wenig interessierten. Zentral für seine damalige Entwicklung ist die Beziehung zu seiner ehemaligen Schulfreundin Naoko, die durch den Verlust ihres gemeinsamen Freundes Kizuki gekennzeichnet ist, der sich im Alter von 17 Jahren das Leben genommen hat, was beide aus der Bahn geworfen und den Entschluss fassen lassen hat, die Heimat zu verlassen und in Tokyo im Zuge des Studiums nochmal neu anzufangen. Die auf dem Klappentext erwähnte Dreiecksgeschichte entspannt sich, nachdem Naoko aufgrund eines Flashbacks in ein Sanatorium eingewiesen wird und Toro der lebhaften Midori begegnet, woraufhin er natürlich in einen Gewissenskonflikt kommt und zwischen dem träumerisch-irrealen und dem lebhaften-realen pendelt. Murakami zeichnet dabei sehr lebhaft und einfühlsam den Alltag des Studenten nach, sei es pauschal in Form der Essensgewohnheiten und tiefer in Form von Einblicken in seine Gedankenwelt. Dabei hat es Murakami verstanden, alle vorkommenden Charaktere sehr lebendig und interessant zu zeichnen, von der mythischen Reiko aus dem Sanatorium, seinem Mitbwohner "Sturmbannführer",  bis hin zu seinem Kommilitonen Nagasawa. Der ist es auch, der den für mich sehr eindrucksvollen Satz sprach: "[...] Liest man, was alle anderen auch lesen, kann man auch nur das denken, was alle anderen denken."(S. 69) Von da an begann ich den Roman schwammartig zu lesen und erkannte ein großes Potential, welches teilweise ausgeschöpft wurde. Die Geschichte an sich ist sehr interessant und unterhaltsam, interessant vor allem, weil Murakami das Thema Suizid bespricht, was in Deutschland doch sehr tabuisiert ist und unterhaltsam, weil Torus Auffassung und Liebe zu Naoko mir sogar ein paar Anstösse zu meiner eigenen Lebenssituation gegeben hat, was meines Erachtens ein sehr gutes Zeichen ist, das sind mitunter die besten Romane, die es schaffen, dass ich mich identifizieren und etwas fühlen kann. Fernab des Lobes hat mich dennoch die Tatsache sehr zum Schmunzeln gebracht, dass man trotz Murakamis nachgesagter Affinität zur westlichen Kultur spüren kann, dass es sich hier um ein japanisches Buch handelt. Einerseits natürlich wie bereits erwähnt, dass Suizid als fast schon selbstverständlich behandelt wird und andererseits, das war das, was mich dann auch ein bisschen gestört hat, die heraufbeschworene Harem-Situation. Da ist dieser zurückhaltende Junge, in den sich alle Mädchen die ihm begegnen unglücklich verlieben. Für jemanden, der sich nicht mit der japanischen Kultur auskennt nicht weiter auffällig. Aber ich selbst lese ab und zu Mangas oder schaue Anime und da ist das schon ein sehr prägnantes Leitthema. Gerade der Schluss war dann meines Erachtens etwas unnötig - wer das vielleicht anders sieht, kann hier gerne einen Kommentar hinterlassen, ich lasse mich da gerne berichtigen. ;) Aber es hat sich einfach komisch gelesen. Wie dem auch sei, bekommt dieses Buch definitiv einen hochrangigen Platz der favorisierten Bücher. Lesenswert, definitiv!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen